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Auf dem Stand von Wissenschaft und Technik.

Wissenschaft & Praxis.

Anwenderhinweise.

Für die sachgerechte Anwendung von Desinfektionsmitteln sind neben der Auswahl des für den jeweiligen Zweck geeigneten Desinfektionsprodukts auch die richtige Umsetzung des Anwendungsverfahrens und die Überprüfung der Desinfektionswirkung ausschlaggebend.

Die Desinfektionsmittel-Kommission im VAH beantwortet Fragen zur Desinfektion und veröffentlicht diese in der Zeitschrift „Hygiene & Medizin“ und unter „FAQ Anwenderhinweise“ auf dieser Webseite.

Die Arbeitsgruppe „Angewandte Desinfektion“ der Desinfektionsmittel-Kommission veröffentlicht ebenfalls Anwenderhinweise. Sie finden Sie unter Fachartikel bzw. im Publikationsverzeichnis.

Folgende praxisbezogene und wissenschaftlich fundierte Empfehlungen sowie behördlich relevante Vorgaben sollten bei der Anwendung von Desinfektionsmitteln Beachtung finden (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):


Wir haben an dieser Stelle (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) einige Rahmenhygienepläne des Länderarbeitskreises zum Download als PDF zur Verfügung gestellt:

FAQ zur Anwendung.

Die Desinfektionsmittel-Kommission erhält Fragen aus einer Vielzahl von Berufszweigen, die die Vielfalt des Themengebiets der Hygiene insgesamt widerspiegeln. Die Beantwortung dieser Fragen stellt daher eine besondere Herausforderung dar, der sich der VAH stellen und auf diesem Weg den fachlich fundierten Dialog mit dem Anwender fördern und ausbauen will.
Die Fragen und Antworten werden von Herrn Prof. Dr. Heeg, Mitglied der Desinfektionsmittel-Kommission im VAH, und einem weiteren Experten beantwortet bzw. begutachtet. Die Antworten geben die Expertenmeinung der Autoren, jedoch nicht notwendigerweise den Konsens der Kommission wieder.
Anfragen von grundsätzlicher Bedeutung werden an die Kommission weitergeleitet, dort diskutiert und als Votum der Kommission verabschiedet.
Diese Antworten sind durch einen entsprechenden Hinweis auf eine Konsensentscheidung kenntlich gemacht.
Die Zusammenstellung der Fragen und Antworten des VAH wird derzeit aktualisiert. 
Weitere Mitteilungen des VAH finden Sie unter VAH-Mitteilungen.
(Kontakt: carola.ilschner@ukb.uni-bonn.de)

FAQ Anwenderhinweise.

Die Desinfektionsmittel-Kommission im VAH beantwortet Fragen zur Desinfektion und veröffentlicht diese in der Zeitschrift "Hygiene & Medizin“ und unter „FAQ Anwenderhinweise“ auf dieser Webseite. Die bisher erschienenen Fragen werden derzeit überarbeitet. Sie finden hier nur die aktualisierten Beiträge.

Altenheime

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Reinigung und Desinfektion von Kühlschränken in Altenheimen

Frage: Als Altenpfleger übe ich zusätzlich die Tätigkeit als Desinfektor aus. Dabei stellt sich die Frage, wie die Kühlschränke auf einer Altenpflegestation gereinigt bzw. desinfiziert werden. Welches Informationsmaterial und welche Richtlinien gibt es dazu?

Antwort: Altenheime und –pflegestationen unterliegen als Einrichtungen der Gemeinschaftsverpflegung den Regeln der Küchenhygiene bzw. den lebensmittelrechtlichen Bestimmungen wie z.B. der europäischen Verordnung (EG) 852/2004 mit dem darin integrierten HACCP-Konzept [1]. Spezielles Informationsmaterial oder eindeutige Vorgaben, die die Reinigung und Desinfektion von Kühlschränken in Altenpflegeheimen oder -stationen zum Gegenstand haben, finden sich darin allerdings nicht. Von der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene wurde im Jahr 2018 eine Empfehlung zu Hygieneanforderungen beim Umgang mit Lebensmitteln in Krankenhäusern, Pflege- und Rehabilitationseinrichtungen und neuen Wohnformen veröffentlicht [2]. Hierin sind neben den Bereichen persönliche Hygiene, Belehrung und Schulung, Umgang mit Lebensmitteln, Lagerung und Lager, Reinigung und Desinfektion, Schädlingsbekämpfung, Entsorgung von Lebensmitteln sowie Geschirrspülmaschinen unter dem Punkt Geräte/ Utensilien Empfehlungen zum Umgang mit Kühlschränken enthalten. Danach wird eine Reinigung und Desinfektion bei sichtbarer Verschmutzung (Hinweis zum konkreten Vorgehen im Folgenden) und routinemäßig in monatlichem Zyklus empfohlen. Weiter heißt es in der Empfehlung der DGKH, dass Kühlschränke in den betreffenden Einrichtungen mindestens einmal pro Monat abgetaut werden sollen, sofern sie nicht über eine funktionierende Abtauautomatik verfügen. Es erscheint daher sinnvoll, die beiden Maßnahmen im praktischen Alltag so zu kombinieren, dass nach dem regelmäßigen manuellen Abtauprozess der Kühlschrank innen in einem Reinigungsschritt von Fett- und Speiseresten sowie von stehendem Abtauwasser befreit wird und danach eine Wischdesinfektion des Innenraums erfolgt. Anschließend wird der Kühlschrank wieder in Betrieb genommen.

Bei der Auswahl der Desinfektionsmittel stehen getestete und für wirksam befundene Desinfektionsmittel zur Verfügung, die in der Liste der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft (DVG) aufgeführt sind [3]. Wichtig ist, dass während des Abtauprozesses und der desinfizierenden Reinigung bis zur erneuten Inbetriebnahme des Kühlschrankes die Kühlkette der kühlpflichtigen Lebensmittel nicht unterbrochen wird, z.B. durch Umlagerung der Produkte in einen anderen Kühlschrank über den Zeitraum der Aufbereitung. Zur Dokumentation der monatlichen Aufbereitung der Kühlschränke kann ein Vermerk in der Liste zur täglichen Temperaturdokumentation sinnvoll und praktisch gut umsetzbar sein, da hier ohnehin der Abtauprozess anhand der dokumentierten Temperaturen ersichtlich ist. Die detaillierten Anweisungen an das Personal zur Aufbereitung von Kühlschränken sollten in den Reinigungs- und Desinfektionsplan der Einrichtung aufgenommen werden, in dem nach DIN 10516 zur Reinigung und Desinfektion im Lebensmittelbereich wichtige Reinigungs- und Desinfektionsverfahren festzulegen sind [4]. In Schulungen zur Lebensmittelhygiene sind allen Mitarbeitern, die mit Lebensmitteln im Sinne der Gemeinschaftsverpflegung umgehen, unter anderem die festgelegten Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen gemäß DIN 10506 zur Gemeinschaftsverpflegung zu vermitteln [5].

Kühlschränke mit sogenannten antibakteriellen Beschichtungen, zum Beispiel bestehend aus Silberverbindungen, bieten nach Untersuchungen des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) keinen zusätzlichen Schutz vor bakteriellen Kontaminationen, der eine Reduktion der empfohlenen Reinigungs- und Desinfektionsintervalle begründet [6]. In der Stellungnahme des BfR wird außerdem darauf hingewiesen, dass durch derartige Spezial-Beschichtungen von Kühlschränken mehr Silberionen auf Lebensmittel übergehen könnten, als dies im Hinblick auf die Unbedenklichkeit wünschenswert wäre.

Literatur
1. Europäisches Parlament und Rat der EU: Verordnung EG Nr. 852/2004 vom 29.4.2004. Amtsblatt der EU L 139 vom 30. 4. 2004.
2. DGKH-Sektion Hygiene in der ambulanten und stationären Kranken- und Altenpflege/Rehabilitation. Empfehlung zu Hygieneanforderungen beim Umgang mit Lebensmitteln in Krankenhäusern, Pflege- und Rehabilitationseinrichtungen und neuen Wohnformen vom 01.02.2018. Download
3. DVG-Desinfektionsmittelliste für den Lebensmittelbereich
4. Deutsches Institut für Normung e.V. DIN 10516. Lebensmittelhygiene – Reinigung und Desinfektion. Beuth-Verlag, Mai 2009.
5. Deutsches Institut für Normung e.V. DIN 10506. Lebensmittelhygiene – Gemeinschaftsverpflegung. Beuth-Verlag, Juli 2018.
6. Bundesinstitut für Risikobewertung 3/2006: Antibakterielle Beschichtung in Kühlschränken: Kein Ersatz für regelmäßige Reinigung. Download

Dr. med. Johannes Tatzel, Heidenheim
Prof. Dr. Peter Heeg, Ammerbuch

Vollständig überarbeitet mit Stand Mai 2019
Erstveröffentlichung: Hengesbach B, Pitten FA. HygMed 2006; (31) 12: 578.
Aktualisierung online: Februar 2011


Flächendesinfektion

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Desinfektion von Tastaturen in Arzt- und Zahnarztpraxen

Frage: Wann müssen die Tastaturen der PCs in einer Arztpraxis desinfiziert werden und womit? Ist die Desinfektion einmal täglich ausreichend? Wenn dies der Fall ist, würde ich gerne wissen, warum dies ausreicht und warum man nicht nach jeder Benutzung desinfizieren sollte (ähnlich wie bei der Händedesinfektion, die nach jedem Patientenkontakt selbstverständlich ist)? Welche Vorgehensweise würden Sie empfehlen?

Antwort: Jede Form von Bedienfläche wird durch die Hände des Bedieners zwangsläufig zumindest transient bakteriell und viral kontaminiert. Dies gilt in besonderer Weise für Tastatur und Maus, die im Fall der Tastatur eine komplexe Oberfläche besitzen und die generell aus Gründen der Ergonomie häufig eine raue Oberfläche aufweisen. Neben Staub können sich Zelldetritus und Fett aus Haut oder Hautpflegeprodukten ablagern. Betroffen sind auch andere Formen von Eingabegeräten wie Trackballs oder Touchscreens [1–8].

Relevant wird diese Kontamination jedoch nur, wenn potenziell pathogene Erreger in infektiöser Dosis von diesen Oberflächen auf die Hände des Anwenders und von dort auf Patienten verschleppt werden. Grundsätzlich ist es sinnvoll, eine Risikobewertung durchzuführen, in welchem Maß das betreffende Gerät eine Rolle bei der Übertragung von Krankheitserregern spielen kann und wie ausgeprägt die Infektionsdisposition der Patienten in der Umgebung dieser Geräte ist [9].

Bei optimal durchgeführter hygienischer Händedesinfektion kann von einer nahezu vollständigen Inaktivierung der transienten Hautflora ausgegangen werden. Die Händedesinfektion unmittelbar nach Patientenkontakt stellt auch immer eine Händedesinfektion vor Bedienung des Computers dar. Werden Schutzhandschuhe zur Vermeidung einer Kontamination der Hände verwendet, müssen diese vor Bedienung des Computers ausgezogen und die Hände desinfiziert werden. Das bedeutet, dass „eigentlich“ keine Tastatur kontaminiert sein dürfte. Im Alltag ist eine optimale Umsetzung der Händehygiene aufgrund einer Vielzahl von Faktoren nicht immer gegeben [10–12]. Gerade um die Kontamination häufiger Handkontaktflächen bzw. des patientennahen Umfelds zu vermeiden, muss eine Verbesserung der Compliance erreicht werden. Eine routinemäßige desinfizierende Reinigung von Tastaturen, die im klinischen bzw. medizinischen Umfeld eingesetzt werden, ist a priori als Teil eines Multibarriere-Managements im Sinne der Infektionsprävention sinnvoll. Abhängig von der vom Hersteller festgelegten Zweckbestimmung des Rechners kann es sich um ein Medizinprodukt handeln. In diesen Fällen muss der Hersteller Informationen bereitstellen, die eine sichere Anwendung des Produkts ermöglichen. Diese Informationen müssen auch Angaben zur Aufbereitung enthalten.

Herkömmliche Tastaturen können aufgrund ihres komplexen Aufbaus oft nicht zuverlässig desinfiziert werden. Darüber hinaus können durch das Eindringen von Flüssigkeit Schäden an den Geräten verursacht werden.

Im Handel sind mittlerweile viele verschiedene abwasch- und desinfizierbarer Tastaturen mit und ohne integrierte Touchpads sowie wasserdichte PC-Mäuse, die einer Wisch- oder Tauchdesinfektion unterzogen werden können, erhältlich, deren Einsatz in Risikobereichen (z.B. OP, Intensivstation, etc.) empfohlen werden kann. Einige Tastaturmodelle besitzen eine vollflächig glatte Oberfläche. Dies kann die Zeit, die für eine desinfizierende Reinigung notwendig ist, erheblich reduzieren.

Desweiteren gibt es desinfizier- und teilweise auch dampfsterilisierbare Tastaturhüllen für bestehende Systeme. Wichtig beim Auswahlprozess des passenden Modells ist, dass auf die Angaben der Hersteller zur Desinfektionsmittelauswahl geachtet wird. Dabei soll es sich um Flächendesinfektionsmittel handeln, deren Wirksamkeit durch ein VAH-Zertifikat bzw. eine VAH-Listung bestätigt ist. Auch soll das Produkt zumindest begrenzt viruzid sein. In Abhängigkeit von der epidemiologischen Situation (z. B. Noro- oder Rotavirus-Infektionen) kann es notwendig sein, ggf. zeitlich begrenzt ein Produkt mit dem Wirkspektrum begrenzt viruzid plus oder viruzid zu verwenden [4].

Befindet sich die Tastatur (das Gleiche gilt für Zubehörgeräte wie Computermaus) in unmittelbarer Umgebung eines infektionsgefährdeten Patienten oder in einem Risikobereich (OP), dann sollte die Desinfektion arbeitstäglich durchgeführt werden [13]. Eine intermittierende Bestrahlung von Computer-Eingabegeräten mit ultraviolettem Licht kann in Abhängigkeit von den gewählten Bestrahlungszyklen zwar die arbeitstägliche Wischdesinfektion ersetzen und zu einer erheblichen Reduktion der mikrobiellen Belastung von Tastaturen führen [14], allerdings steht dem ein relativ hoher technischer Aufwand und die weiterhin bestehende Notwenigkeit zur Reinigung in regelmäßigen Abständen gegenüber.

In jedem Falle aber bleibt festzuhalten, dass die Desinfektion der Tastatur eine flankierende Maßnahme der Infektionsprävention ist, die eine konsequente Händehygiene allenfalls ergänzt.

Literatur
1. Hartmann B, Benson M, Junger A et al. Computer keyboard and mouse as a reservoir of pathogens in an intensive care unit. J Clin Monit Comput 2004;18(1):7–12.
2. Fukada T, Iwakiri H, Ozaki M. Anaesthetists‘ role in computer keyboard contamination in an operating room. J Hosp Infect 2008;70(2):148–53.
3. Dumford DM 3rd, Neradzic MM, Eckstein BC, Donskey CJ. What is on that keyboard? Detecting hidden environmental reservoirs of Clostridium difficile during an outbreak associated with North American pulsed-field gel electrophoresis type 1 strains. Am J Infect Control 2009. 37(1):15–9.
4. Clay S, Maherchandani S, Malik YS, Goyal SM. Survival on uncommon fomites of feline calicivirus, a surrogate of noroviruses. Am J Infect Control 2006;34(1):41–3.
5. Hospital computer keyboards and keyboard covers harbor potentially harmful bacteria. Hosp Health Netw 2005;79(5):81–2.
6. Engelhart S, Fischnaller E, Simon A, Gebel J, Büttgen S, Exner M. Microbial contamination of computer user interfaces (keyboard, mouse) in a tertiary care centre under conditions of practice. HygMed 2008;33(12):456–459.
7. Wilson AP, Ostro P, Magnussen M, Cooper B, Keyboard Study Group. Laboratory and in-use assessment of methicillin-resistant Staphylococcus aureus contamination of ergonomic computer keyboards for ward use. Am J Infect Control 2008;36(10):e19–25.
8. Koscova J, Hurnikova Z, Pistl J, Degree of Bacterial Contamination of Mobile Phone and Computer Keyboard Surfaces and Efficacy of Disinfection with Chlorhexidine Digluconate and Triclosan to Its Reduction. Int J Environ Res Public Health 2018; 15(10).
9. Robert Koch-Institut, Was ist beim Einsatz von Personal Computern (PC) und Notebooks im Bereich der Patientenversorgung in Einrichtungen des Gesundheitswesens zu berücksichtigen? https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Krankenhaushygiene/ThemenAZ/C/Computertastatur.html
10. Boyce JM, D. Pittet D. Guideline for Hand Hygiene in Health-Care Settings: recommendations of the Healthcare Infection Control Practices Advisory Committee and the HICPAC/SHEA/APIC/IDSA Hand Hygiene Task Force. Infect Control Hosp Epidemiol 2002;23(12 Suppl):S3–40.
11. Wilson AP, Hayman S, Folan P et al. Computer keyboards and the spread of MRSA. J Hosp Infect 2006;62(3):390–2.
12. Rutala WA, White MS, Gergen MF, Weber DJ. Bacterial contamination of keyboards: efficacy and functional impact of disinfectants. Infect Control Hosp Epidemiol 2006;27(4):372–7.
13. Kramer A, Schwebke I, Kampf G. How long do nosocomial pathogens persist on inanimate surfaces? A systematic review. BMC Infect Dis 2006;6:130.
14. Gostine A, Gostine D, Donohue C, Carlstrom L. Evaluating the effectiveness of ultraviolet-C lamps for reducing keyboard contamination in the intensive care unit: A longitudinal analysis. Am J Infect Control 2016;44(10):1089-1094.

Dr. med. Johannes Tatzel, Heidenheim
Prof. Dr. Peter Heeg, Ammerbuch

Vollständig überarbeitet mit Stand Mai 2019
Erstveröffentlichung: Heeg P, Christiansen C. HygMed 2012; (37)3: 98-99


Händedesinfektion

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Ausstattung des Handwaschplatzes in Arztpraxen

Frage: Wir finden bei der Begehung von Arztpraxen und ambulant operierenden Einrichtungen regelmäßig, dass die Handwaschplätze nicht gemäß bestehenden Vorgaben ausgestattet sind, d.h. der Händedesinfektionsmittelspender hängt, aber statt eines entsprechenden Waschlotionsspenders gibt es dann die Seifenpumpflasche vom Drogeriemarkt. Welche Daten bzw. Literatur würden unsere Argumentation, dass „medizinische“ Waschlotion zu verwenden ist, stützen (bisher haben wir mit dem Zusatz von Konservierungsstoffen bei Letzteren argumentiert).

Antwort: Für Tätigkeiten mit biologischen Arbeitsstoffen ist nach TRBA 250 [1] die Verfügbarkeit von „Spendern für Hautreinigungsmittel“ als Mindestschutzmaßnahme vorgeschrieben. Wo eine hygienische Händedesinfektion erforderlich ist, sind auch Spender für Händedesinfektionsmittel bereit zu stellen. Bezüglich der Händedesinfektionsmittelspender heißt es ohne nähere Erläuterung weiterhin: „Die Mindestanforderungen an einen hygienischen und sicheren Betrieb dieser Spender sind zu beachten.“ Spezifische Mindestanforderungen für Seifenspender finden sich darin nicht.

Im Hinblick auf die Gefahr einer mikrobiellen Besiedelung sind Seifenspender weitaus kritischer einzuschätzen als Spender, die mit alkoholischen Händedesinfektionsmitteln befüllt sind [2, 3]. Hinzu kommt, dass nach einem Handkontakt mit dem Auslass des Seifenspenders, anders als beim Desinfektionsmittelspender, die Hände nicht zwangsläufig desinfiziert werden.

Die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention empfiehlt für ambulante oder stationäre Einrichtungen des Gesundheitswesens zu Handwaschpräparaten [4], dass
– diese an Waschplätzen als flüssige Präparate in wandmontierten Spendern zur Verfügung gestellt werden;
– eine Dokumentation des Anbruchdatums erfolgt, sofern Herstellerangaben zur Dauer der Verwendbarkeit nach Anbruch existieren;
– aufgrund des Kontaminationsrisikos kein Nachfüllen nicht entleerter und nicht nachfolgend aufbereiteter Seifenspender stattfindet.

Zur Aufbereitung der Handwaschpräparatespender wird empfohlen, dass

– sichtbare Verunreinigungen des äußeren Gehäuses und aller ohne weitere Manipulation zugänglichen Teile sowie Tropfnasen am Auslass durch Wischdesinfektion beseitigt werden;
– eine tägliche Wischdesinfektion des Bedienhebels durchgeführt wird;
– der Umfang und die Frequenz (z.B. halbjährig) der Kontrollen sowie der Innenaufbereitung der Spender im hauseigenen Hygieneplan festgelegt werden. Bezüglich der Innenaufbereitung wird außerdem auf die Möglichkeit zur Verwendung von Einmalpumpen am Gebinde, die mit dem leeren Gebinde verworfen werden, hingewiesen.

Für „medizinische“ Waschlotionen gibt es keine klare Begriffsdefinition. Es könnten sowohl konservierte Produkte als auch Präparate mit einer - nicht näher definierten - antimikrobiellen Wirksamkeit gemeint sein. In der KRINKO-Empfehlung zur Händehygiene in Einrichtungen des Gesundheitswesens [4] heißt es hierzu: „Die Verwendung von Produkten mit antimikrobiellen Zusätzen wird in keinem Regelwerk gefordert, ist nicht mit einer besseren Wirksamkeit gegenüber der normalen Seifenwaschung belegt und ist immer dann kritisch zu beurteilen, wenn als antimikrobieller Zusatz ein Wirkstoff eingesetzt wird, für den das Risiko einer mikrobiellen Resistenzentwicklung oder einer Sensibilisierung gegeben ist. Für die hygienische Händewaschung sind in der VAH-Liste Produkte zertifiziert, die vor allem für den Lebensmittelbereich gedacht sind. Sie sind signifikant wirksamer als normale Handwaschpräparate, erreichen aber nicht die Wirksamkeit von HDM. Daher ist ihre Anwendung keine Alternative zur hygienischen Händedesinfektion.“

Literatur
1. TRBA 250. Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege. Ausgabe März 2014, GMBl. 2014 Nr. 10/11 vom 27. März 2014, 4. Änderung vom 02.05.2018, GMBI Nr. 15. Abrufbar unter: www.baua.de
2. Zapka CA, Campbell EJ, Maxwell SL, Gerba CP, Dolan MJ, Arbogast JW, Macinga DR. Bacterial hand contamination and transfer after use of contaminated bulk-soap-refillable dispensers. Appl Environ Microbiol 2011;77:2898–2904.
3. Lorenz LA, Ramsay BD, Goeres DM, Fields MW, Zapka CA, Macinga DR. Evaluation and remediation of bulk soap dispensers for biofilm. Biofouling. 2012;28:99–109.
4. Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert-Koch-Institut. Händehygiene in Einrichtungen des Gesundheitswesens. Bundesgesundheitsbl. 2016;59:1189-1220.

Dr. Johannes Tatzel, Heidenheim
Prof. Dr. Peter Heeg, Ammerbuch
Erstveröffentlichung: Heeg P, Kramer A. HygMed 2015;(40)3:121-122.

Verwendung von Desinfektionsmitteln für Kinder

Frage: In Ausbruchssituationen werden manchmal vom Gesundheitsamt vorsorglich Maßnahmen zur Desinfektion eingeleitet. Im Einzelnen waren dies nach einer HUS-Erkrankung in einer Schule beispielsweise:
– Desinfektion der Schultoiletten,
– Desinfektion sämtlicher Türgriffe der Grundschule,
– Installation von Desinfektionsmittelspendern auf den Toiletten.

Welche Händedesinfektionsmittel sind für:
a) Kinder unter drei Jahren
b) Kinder zwischen drei und sechs Jahren
c) Schulkinder ab sechs Jahren als Hortkinder
von Seiten der zuständigen Stellen zugelassen?

Wir haben an unserer Kindertagesstätte Kinder, die unter den obigen Buchstaben a, b und c fallen. In unserem Hause wird ein viruzides Händedesinfektionsmittel für das Personal eingesetzt. Ist eine Zulassung für Kinder notwendig?


Antwort: Sowohl bei der allgemeinen Infektionsprophylaxe, wie sie Bestandteil unseres persönlichen Hygieneverhaltens sein sollte, als auch in Ausbruchssituationen oder Epidemiezeiten, spielt die Händehygiene unter allen Präventionsmaßnahmen die wichtigste Rolle, weil Infektionen vor allem über die Hände weitergegeben werden. Dies gilt in gewissem Maße auch für Infektionen, bei denen die Krankheitserreger über kleine Tröpfchen in der Luft übertragen werden, die beim Sprechen, Husten oder Niesen gebildet werden (Tröpfcheninfektion): Nicht nur, wenn man in die Hand niest oder schnäuzt, sondern auch, wenn man Gegenstände berührt, die durch Tröpfchen kontaminiert wurden, können über die Hände Krankheitserreger weitergegeben werden.

Als Maßnahmen zur Händehygiene kommt in Kindertagesstätten oder Schulen vor allem das Hände-waschen in Betracht. In bestimmten Situationen ist aber auch die Händedesinfektion sinnvoll. Richtig durchgeführtes Händewaschen reduziert die Zahl von Mikroorganismen und Viren auf den Händen. Die Wirkung der Händedesinfektion ist jedoch 10- bis 100-mal stärker.

Für die Händehygiene gilt nicht nur in Kindertagesstätten der alte Satz: „Nach dem Klo und vor dem Essen, Händewaschen nicht vergessen.“ Richtiges Händewaschen – mit fließendem, warmem Wasser, Flüssigseife und eigenem Handtuch – muss aber gelernt und geübt werden. Wie dies in spielerischer Form geschehen kann, vermitteln einschlägige Broschüren [1, 2].
In Ausbruchssituationen oder wenn Kinder immer wieder an saisonalen Infektionen (Grippe bzw. grippale Infekte, Durchfallerkrankungen z. B. durch Noroviren) erkranken, sollte das Händewaschen ggf. durch Händedesinfektion ergänzt werden (auf Anweisung durch das Gesundheitsamt). Nach dem Händewaschen und abtrocknen, ggf. auch nach dem Niesen oder Schnäuzen, werden die Hände durch Verreiben eines alkoholischen Händedesinfektionsmittels desinfiziert.
Die arzneimittelrechtliche Zulassung von Händedesinfektionsmitteln erfolgt in der Regel für Erwachsene. Es gibt also keine speziell für Kinder zugelassenen Händedesinfektionsmittel für Kinder. Dies bedeutet aber nicht, dass Kinder ihre Hände nicht desinfizieren dürfen oder sollen. Schulkinder können Hände desinfizieren erlernen [3], sollten die Händedesinfektion zunächst aber unter Aufsicht durchführen. Wichtig ist, dass sich die Kinder nicht mit frisch benetzten Fingern in die Augen fassen.

Bei kleineren Kindern ist es besser, wenn die Hände durch einen Erwachsenen desinfiziert werden, indem dieser die Hände des Kindes zwischen seine eigenen Hände nimmt, das Präparat verreibt und die Einwirkzeit (in der Regel 30 Sekunden) abwartet.

Alkoholische Desinfektionsmittel enthalten Pflegesubstanzen und sind für die intakte Haut unschädlich. Alkohol wird auch nicht über die Haut resorbiert, so dass systemische Wirkungen des Alkohols nicht zu befürchten sind.
Zur Auswahl des geeigneten Präparates wird die Verwendung eines Händedesinfektionsmittels empfohlen, das in der aktuellen Liste des VAH [4] aufgeführt ist. Auf das notwendige Wirkspektrum in Abhängigkeit von den Krankheitserregern ist zu achten. Standardpräparate der Händedesinfektionsmittel sind in der Regel zusätzlich zur Wirksamkeit gegen Bakterien auch begrenzt viruzid wirksam, das heißt, sie wirken auch gegen behüllte Viren, wie z.B. das Respiratorische Syncytial-Virus (RSV), das insbesondere im Säuglings- und Kleinkindalter häufig Atemwegsinfektionen auslöst, oder das Influenza (Grippe)-Virus. Händedesinfektionsmittel mit dem Wirkspektrum begrenzt viruzid PLUS sind zusätzlich zur Wirksamkeit gegen behüllte Viren auch gegen die unbehüllten Viren Noro-, Rota- und Adenovirus wirksam. Daher können sie insbesondere bei erhöhter Noro- und Rotavirusaktivität, z.B. im Frühjahr, eingesetzt werden. Noroviren sind häufig Auslöser von Magen-Darm-Infektionen.

Viruzide Händedesinfektionsmittel, deren Wirkspektrum zusätzlich die unbehüllten Papillom- und Polyomaviren einschließt, können eher einmal zu Nebeneffekten wie trockener Haut führen und sind für die Routine nicht notwendig.

Literatur
1. Gebel J, Dietlein E, Hornei B, Ilschner C, Rotter M, Exner M. Händewaschen – bringt das was? mhp-Verlag, Wiesbaden. 2003.
2. Gebel J, Ilschner C. Die Bakterienrutsche. mhp-Verlag, Wiesbaden. 2003.
3. Simon A, Gebel J, Ilschner C, Exner M. Infektionen? Nein, danke! Wir tun was dagegen! Infektionsprävention bei chronisch kranken Kindern im Krankenhaus. 3. Auflage. Bonn, 2017.  Zum Download.
4. Verbund für Angewandte Hygiene. Desinfektionsmittel-Liste des VAH. Wiesbaden: mhp Verlag GmbH. Stand 15.10.2018. Zur Online-Version.

Dr. Johannes Tatzel, Heidenheim
Prof. Dr. Peter Heeg, Ammerbuch
Erstveröffentlichung: Heeg P, Exner M. In: HygMed 2011; (36) 12: 501–502.
Überarbeitung mit Stand 15. März 2019
Online-Veröffentlichung: www.vah-online.de

© VAH e.V. 2019
www.vah-online.de
www.hygiene-tipps-fuer-kids.de


Handschuhe

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Desinfektion behandschuhter Hände

Frage: Kürzlich erhielt ich die Anfrage, ob behandschuhte Hände desinfiziert werden können. Noch vor Jahren wurde doch die Desinfektion behandschuhter Hände grundsätzlich abgelehnt. Hat sich das in den letzten Jahren geändert? Gibt es heute Situationen, in denen die Desinfektion behandschuhter Hände sogar empfohlen wird? Welche sind das, und was habe ich dabei zu beachten, wenn ich diese Maßnahme in meinem Bereich etablieren möchte?

Antwort: Die hygienische Händedesinfektion stellt unbestritten eine der wichtigsten Einzelmaßnahmen der Infektionsprävention dar [1]. Trotz dieses hohen Stellenwertes wird in durchschnittlich 25–50% der Fälle bei Vorliegen einer Indikation zur Händedesinfektion diese nicht durchgeführt [2,3]. Fällt die direkte Beobachtung der Händehygiene durch Dritte weg, ist die Händedesinfektionscompliance in der Regel noch deutlich niedriger [4,5]. Viele Maßnahmen der letzten Jahre fokussieren deshalb darauf, Schwellen und Hindernisse zur Durchführung einer Händedesinfektion zu senken. Dies kann z.B. durch eine Optimierung Ausstattung mit Händedesinfektionsmittel-Spendern erfolgen. Auch das Tragen von Handschuhen kann eine Schwelle zur hygienischen Händedesinfektion darstellen und zu niedrigeren Compliance-Raten führen [6, 7]. Deshalb ist ein wichtiger Ansatz zur Verbesserung der Händehygiene, nur dann Handschuhe zu tragen, wenn auch eine Indikation dazu vorliegt.

Drei grundlegend unterschiedliche Situationen sind in diesem Zusammenhang zu unterscheiden. Im ersten Fall legt der Mitarbeiter die Handschuhe im Rahmen der Basishygiene nur für die Tätigkeit am Patienten an, für die auch eine Indikation vorliegt, zum Beispiel der erwartete Kontakt mit Blut, Sekreten oder Exkreten. Sobald diese Tätigkeit beendet ist, endet die Indikation zum Tragen der Handschuhe. Diese werden abgelegt und die Hände anschließend desinfiziert.

Im zweiten Fall trägt der Mitarbeiter grundsätzlich für die Tätigkeiten an seinem Patienten Handschuhe, wie es beispielsweise bei bestimmten Infektionskrankheiten oder isolierten Trägern multiresistenter Erreger der Fall sein kann. Wenn der Mitarbeiter im Verlauf mehrerer Tätigkeiten am selben Patienten eine aseptische Tätigkeit durchführt, sollte die Desinfektion der behandschuhten Hände, sofern die Handschuhe durch vorherige Tätigkeiten nicht äußerlich sichtbar kontaminiert, nass oder beschädigt sind, die Vorgehensweise der Wahl sein. Denn insbesondere vor aseptischen Tätigkeiten ist die Compliance mit der Händedesinfektion besonders niedrig, wenn Handschuhe bereits getragen werden. Wenn Handschuhe bereits getragen werden, führt die KRINKO beispielsweise die Desinfektion der behandschuhten Hände als typische Situation vor Manipulation an Devices auf [8]. Es gibt weitere klinische Beispiele, in denen Mitarbeiter indikationsgerecht über längere Zeiträume und verschiedene Tätigkeiten Handschuhe bei der Behandlung des Patienten tragen, beispielsweise bei Tätigkeiten im Rettungsdienst oder der Anästhesie. Auch in diesen Fällen kann die Desinfektion der behandschuhten Hände bei einer Indikation zur Händedesinfektion die für Mitarbeiter und Patienten sicherste Vorgehensweise sein. Die Beurteilung der Desinfektion von behandschuhten Händen bei Patientenwechsel muss, auch wegen der Gefahr einer Transmission von vorwiegend hämatogen übertragbaren Erregern, kritisch betrachtet werden. Während beispielsweise die KRINKO eine Desinfektion der behandschuhten Hand bei Blutentnahmen an unterschiedlichen Patienten nur für Ausnahmefälle im Textteil der Empfehlung zur Händehygiene erwähnt [8], wird in einer kürzlich publizierten Übersichtsarbeit das Tragen von Handschuhen zur Behandlung mehrerer Patienten mit der Begründung abgelehnt, dass Handschuhe als Einwegprodukt zur Anwendung nur an einem Patienten vorgesehen sind [11]. Für die Praxis bedeutet dies, dass eine grundsätzliche Freigabe eines patientenübergreifenden Handschuhgebrauches in Kombination mit einer indikationsabhängigen Desinfektion der behandschuhten Hand nicht befürwortet werden sollte. In bestimmten Situationen, wie z.B. Blutzuckermessungen von Labormitarbeitern oder Blutentnahmen von Blutspendediensten bei vielen Patienten hintereinander müsste im Einzelfall das Für und Wider einer Desinfektion der behandschuhten Hand bewertet werden.

Insbesondere bei Tätigkeiten des Reinigungsdienstes ergibt sich ein dritter Fall, wenn nämlich Handschuhe zum Schutz vor chemischen Einflüssen bei der Flächendesinfektion in unterschiedlichen Räumen getragen werden. Mit Ausnahme von Isolierungsszimmern, nach deren Reinigung und Desinfektion die Handschuhe abgelegt und verworfen werden sollen, empfiehlt die KRINKO diesbezüglich bei jedem Raumwechsel eine Desinfektion der behandschuhten Hände [8].

Grundsätzliche Voraussetzung für die Desinfektion der behandschuhten Hand ist nach der Empfehlung der KRINKO sowie der Ausführungen der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), dass Herstellerangaben der jeweiligen Handschuhe und des verwendeten Händedesinfektionsmittels einer Desinfizierbarkeit der Handschuhe nicht entgegenstehen und die Handschuhe folgende Punkte erfüllen [8, 12]:
– Chemikalienbeständigkeit gemäß EN 374 [9]. Laut DGUV haben Nitrilhandschuhe eine gute Beständigkeit gegenüber den typischen Inhaltsstoffen von Desinfektionsmitteln.
– Keine sichtbare Perforation
– Optische Sauberkeit

Auf eine gute Passgenauigkeit der Handschuhe ohne Faltenbildung insbesondere im Bereich der Finger, des Handrückens oder der Handfläche ist grundsätzlich zu achten, da sonst die Beurteilung der optischen Sauberkeit und ggf. auch die Wirksamkeit der Desinfektion eingeschränkt sein kann.

Zu der Frage, nach welcher Anzahl von Desinfektionen oder Tragedauer in jedem Fall die Handschuhe gewechselt werden müssen, gibt es keine einheitlichen Empfehlungen. Dies ist zum einen abhängig von der Materialbeschaffenheit der verwendeten Handschuhe sowie von der Belastung, der die Handschuhe im Rahmen der durchgeführten Tätigkeit ausgesetzt sind. Hierzu wird in der KRINKO-Empfehlung zur Händehygiene ausgeführt [8]: „Da die Perforationsrate mit zunehmender Tragedauer bzw. nach belastender Tätigkeit ansteigt, ist auch bei Gewährleistung der genannten Forderungen im Intensivbereich nach spätestens 15 min sowie nach jeder Patientenwaschung ein Handschuhwechsel zu empfehlen.“ Eine Reihe von Versuchen, in denen auf künstlich kontaminierten behandschuhten Händen die mittlere log10-Reduktion durch Desinfektionen mit verschiedenen Händedesinfektionsmitteln bestimmt wurde, zeigt, dass selbst nach bis zu 10 Desinfektionen behandschuhter Hände die Wirkung nicht nachlässt [10]. Darüber hinaus ist die Desinfizierbarkeit der behandschuhten Hände bei gegebener Passgenauigkeit hinsichtlich der Wirksamkeit des Händedesinfektionsmittels sogar besser als die der bloßen Hände. Das wird mit der ebenen Oberfläche erklärt. Die Dichtheit von Handschuhen bleibt in allen bislang veröffentlichten experimentellen Studien mindestens über 5 Desinfektionen erhalten, in manchen Studien sogar bis zu 10 Desinfektionen [10]. Der Fachbereich Gesundheits- und Wohlfahrtspflege der DGUV, Sachgebiet Gesundheitsdienst, empfiehlt, eine maximale Tragedauer der Handschuhe von 30 min und maximal 5 Desinfektionen der Handschuhflächen nicht zu überschreiten [12]. Und dennoch kann es hinsichtlich der praktischen Umsetzung zu Diskussionen mit dem betriebsärztlichen Dienst kommen.

Die desinfizierten Handschuhe müssen in der konkreten Anwendung weiterhin zuverlässig sicher sein. Sie sind daher unter Berücksichtigung der Vorgaben des Herstellers zu verwenden. Das eingesetzte Desinfektionsmittel muss zum Handschuhmaterial passen und darf die Schutzwirkung des Handschuhs während des Tragens nicht verschlechtern. Dies ist anhand der zur Verfügung stehenden Quellen, insbesondere veröffentlichter Daten über entsprechende Versuche, Fachpublikationen und etwaiger Empfehlungen oder umgekehrt konkreter Ausschlüsse durch die Hersteller der Handschuhe bzw. der Desinfektionsmittel zu ermitteln. Steht dies zu befürchten, so wären vor dem nächsten Arbeitsschritt die Handschuhe zu wechseln, sonst könnte im Fall einer aus diesem Grund eingetretenen Infektion eine Haftung ausgelöst werden. Wesentlich wahrscheinlicher dürfte allerdings eine Haftung bei andauerndem Tragen der Handschuhe ohne Desinfektion auf bloßen oder behandschuhten Händen mit nachfolgend auftretender nosokomialer Infektion sein [11].

Literatur
1. Pittet D, Allegranzi B, Boyce J et al. The World Health Organization Guidelines on Hand Hygiene in Health Care and their consensus recommendations. Infect Control Hosp Epidemiol 2009;30(7):611–622.
2. Kingston L, O'Connell NH, Dunne CP. Hand hygiene-related clinical trials reported since 2010: a systematic review. J Hosp Infect 2016;92(4):309-20.
3. Wetzker W et al. Compliance with hand hygiene: reference data from the national hand hygiene campaign in Germany. J Hosp Infect 2016;92:328–331
4. Srigley JA, Furness C, Baker GR, Gardam M. Quantification of the Hawthorne effect in hand hygiene compliance monitoring using an electronic monitoring system: a retrospective cohort study. BMJ QualSaf 2014;23(12):974–980
5. Hagel S, Reischke J, Kesselmeier M et al. Quantifying the Hawthorne effect in hand hygiene compliance through comparing direct observation with automated hand hygiene monitoring. Infect Control Hosp Epidemiol 2015;36(8):957–962.
6. Girou E, Chai SH, Oppein F et al. Misuse of gloves: the foundation for poor compliance with hand hygiene and potential for microbial transmission? J Hosp Infect 2004;57:162-9.
7. Cusini A, Nydegger D, Kaspar T et al. Improved hand hygiene compliance after eliminating mandatory glove use from contact precautions – Is less more? Am J Infect Control 2015;43:922-7
8. Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert-Koch-Institut. Händehygiene in Einrichtungen des Gesundheitswesens. Bundesgesundheitsbl 2016;59:1189-1220.
9. DIN EN 374-4:2014-03. Schutzhandschuhe gegen Chemikalien und Mikroorganismen - Teil 4: Bestimmung des Widerstandes gegen Degradation durch Chemikalien. Beuth Verlag: Berlin
10. Kampf G, Lemmen S. Die hygienische Händedesinfektion. In: Kampf G (Hrsg.). Kompendium Händehygiene. Wiesbaden: mhp-Verlag 2017. Seiten 56-81.
11. Kampf G, Niermeier F, Lemmen S. Desinfektion behandschuhter Hände. Krankenhaushygiene up2date 2018;13:27-40.
12. Fragen und Antworten des Fachbereichs Gesundheits- und Wohlfahrtspflege der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV), Sachgebiet Gesundheitsdienst. Accessed (9. April 2019)

Dr. Johannes Tatzel, Heidenheim
Prof. Dr. med. Günter Kampf, Hamburg
Vollständig überarbeitet mit Stand Mai 2019
Erstveröffentlichung: Heeg P, Christiansen C. HygMed 2014; (39) 3: 92–93


Hautantiseptik

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Dekontamination von Kathetereintrittspforten

Frage: Ich arbeite in einer Dialyseeinrichtung. Wir verwenden u. a. eine Waschlotion, um Kathetereintrittspforten (zentralvenöse Katheter, Peritonealdialysekatheter) zu dekontaminieren. Ich möchte Sie um eine Stellungnahme zur Einwirkzeit bitten.

Antwort:

Grundsätzlich wird zwischen drei verschiedenen Erreger-Eintrittspforten bei Gefäßkathetern unterschieden. Die ersten beiden Eintrittspforten, nämlich über innenseitig kontaminierte Katheterhubs, Luer-Öffnungen von Dreiwegehähnen und andere Zuspritz- und Konnektionssysteme am Gefäßkatheter (z.B. nadelfreie Konnektorsysteme, NFC) sowie über kontaminierte Infusionslösungen, werden als intraluminaler Infektionsweg bezeichnet. Im Gegensatz dazu finden beim extraluminalen Infektionsweg die Erreger über die Katheteraußenseite Anschluss an die Blutbahn des Patienten. Dies kann durch Kontaminationen oder unzureichende Desinfektion beim Insertionsvorgang des Katheters erfolgen, aber auch im weiteren Verlauf durch „Vorwandern“ der Erreger von der Insertionsstelle durch tiefere Gewebeschichten bis hin zur Katheterspitze. Über die sorgfältige Pflege der Katheteraustrittstelle wird versucht, diesen letztgenannten Erreger-Eintrittsweg zu eliminieren. Hierzu werden für nichtgetunnelte zentrale Venenkatheter (ZVK) in der Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention zur Prävention von Infektionen, die von Gefäßkathetern ausgehen, folgende Punkte aufgeführt [1]:
– Abdeckung der Insertionsstelle mit einem sterilen, gut haftenden Pflaster bzw. Gazeverband.
– Wechsel von Transparentverbänden nach Herstellerangaben, Wechsel von Pflastern und Verbänden, die keine visuelle Beurteilung der Insertionsstelle erlauben spätestens alle 72 Stunden, bei eingeschränkter Kooperation des Patienten täglich. Für beide Verbandarten gilt: Wechsel bei Durchfeuchtung (z.B. feuchte Kammer), Verschmutzung (z.B. Blutreste) und beginnender Ablösung.
– Bei jedem Pflaster-/Verbandwechsel: Haut um die Insertionsstelle mit alkoholischem Hautdesinfektionsmittel mit Zusatz von Chlorhexidin oder Octenidin desinfizieren, sofern erforderlich vorher mit steriler NaCl-Lösung reinigen.

Geeignete Präparate können mit den geprüften Einwirkzeiten und Konzentrationen der VAH-Liste entnommen werden.

Für getunnelte Katheter mit subkutanem Cuff (Broviac/Hickman) verweist die KRINKO auf Empfehlungen von Fachgesellschaften [1]. Der Fachverband nephrologischer Berufsgruppen (fnb) macht die Versorgung der Katheteraustrittstelle eines Dialysekatheters von dem sichtoptischen Zustand derselben abhängig. Für reizfreie oder nur leicht gerötete Katheteraustrittstellen ohne Sekretbildung reicht im Rahmen des Verbandwechsels in der Regel eine Säuberung der Wunde mit steriler Kochsalzlösung, sofern erforderlich. Sobald eine Rötung >0,5cm sowie eine Sekret- oder Eiterbildung um die Austrittsstelle sichtbar sind, wird eine Desinfektion der Katheteraustrittstelle mit wundheilungsneutralen Antiseptika auf Basis von Octenidin oder Polihexanid empfohlen, die zur Desinfektion von Wunden zugelassen sind [2]. In jedem Falle wichtig ist, dass der Hersteller des Katheters eine Kompatibilität mit dem verwendeten Desinfektionsmittel bestätigt und dass das Desinfektionsmittel abgetrocknet ist, bevor ein neuer Verband angelegt wird. Für eine prophylaktische Dekontamination mit einer Waschlotion gibt es keine Empfehlung. Hierdurch bestünde die Gefahr einer Translokation von Erregern bei unzureichender Erregerreduktion unter das Hautniveau und einer zusätzlichen Kontamination der Katheteraustrittstelle durch die Waschlösung selber.

Ob die Verwendung Chlorhexidin-imprägnierter transparenter Verbände bei Dialysekathetern einen über die antiseptische Behandung der Insertionstelle hinausgehenden Einfluss auf die Katheter-assoziierte Infektionsrate hat, ist nicht eindeutig geklärt [3,4,5]. Für zentrale Venenkatheter soll nach den KRINKO-Empfehlungen deren Verwendung bei anhaltend hohen Infektionsraten und bei besonders vulnerablen Patientengruppen erwogen werden [1].

Literatur
1. Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) beim Robert-Koch-Institut. Prävention von Infektionen, die von Gefäßkathetern ausgehen. Teil 1 – Nichtgetunnelte zentralvenöse Katheter. Bundesgesundheitsbl 2017;60:171–206.
2. Fachverband nephrologischer Berufsgruppen (Hrsg.). Spindler B, Reichardt M, Eikelmann M et al. Zugänge zur Dialyse – Empfehlungen der Arbeitsgruppe Pflege. 2018, 3. Aufl. https://www.nephro-fachverband.de
3. Apata IW, Hanfelt J, Bailey J et al. Chlorhexidine-impregnated transparent dressings decrease catheter-related infections in hemodialysis patients: a quality improvement project. J Vasc Access 2017;18(2):103-108.
4. Leonardi G, Finotto G, Talaia M et al. "Getting to zero infections" in hemodialysis.G Ital Nefrol. 2015;32(5).
5. Camins BC, Richmond AM, Dyer KL et al. A crossover intervention trial evaluating the efficacy of a chlorhexidine-impregnated sponge in reducing catheter-related bloodstream infections among patients undergoing hemodialysis. Infect Control Hosp Epidemiol. 2010;31(11):1118-23.

Dr. Johannes Tatzel, Heidenheim
Prof. Dr. Peter Heeg, Ammerbuch
Vollständig überarbeitet mit Stand Mai 2019
Erstveröffentlichung: Helm F. In: HygMed 2009; (34) 12: 510.


Wäsche

Aufbereitung von Berufskleidung und Bettwäsche in der Arztpraxis

Frage: Wir sind eine Arztpraxis und haben ein Schlaflabor. Müssen die Bettwäsche und die Berufskleidung mit Desinfektionswaschmittel gewaschen werden oder reicht es aus, die Wäsche mit 60 °C bzw. 90 °C zu waschen? Handelt es sich um eine Empfehlung oder eine Vorschrift?


Antwort: Im Gegensatz zum gut regulierten Bereich der Wäscheaufbereitung für Krankenhäuser herrscht über die Wäscheaufbereitung in der Arztpraxis kein Konsens.
Gemäß IfSG § 36 müssen auch in ambulanten Einrichtungen des Gesundheitsdienstes (u. a. Arztpraxen) Infektionsschutzmaßnahmen durchgeführt werden und sämtliche hygienerelevanten Prozessschritte innerhalb der Praxis durch Hygienepläne geregelt werden.
Der Einsatz und die Aufbereitung von Arbeits- und Schutzkleidung ist aus Sicht des Schutzes der Beschäftigten und aus Sicht des Infektionsschutzes für Mitarbeiter und Patienten ein nicht zu vernachlässigendes Thema. Wissenschaftliche Studien belegen, dass Textilien als ernst zu nehmender Vektor für Infektionserreger gesehen werden müssen. Deshalb sollte die Verwendung und Aufbereitung von Arbeits- und Schutzkleidung sowie ggf. die Bettwäsche im Hygienemanagement einer Arztpraxis (Hygieneplan) geregelt werden.
In den existierenden Regelwerken werden keine Pauschalkategorisierungen vorgenommen, so dass häufig unklar ist, ob und wann Textilien bzw. Arbeits- und Berufskleidung Schutzfunktion haben und/oder mit spezialisierten Verfahren desinfizierend aufbereitet werden müssen. Für den Nicht-Hygieniker ist daher nur schwer zu erkennen, ob Textilien aus der Arztpraxis wie Krankenhauswäsche zu behandeln sind.
Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene [1] hat empfohlen, Arbeitskleidung von Personen aus Pflegeberufen nicht im häuslichen Bereich zu waschen, sondern mit Verfahren, die beim VAH oder RKI als wirksam befunden wurden. Dabei gilt es, die verfahrensspezifischen Dosierungen, Temperaturen, Haltezeiten und Flottenverhältnisse einzuhalten und zu prüfen, ob diese Bedingungen permanent gewährleistet sind.
Wir empfehlen, eine Risikoanalyse bzw. Gefährdungsbeurteilung durchzuführen und diese zu dokumentieren. Für Arztpraxen ist generell die TRBA 250 anzuwenden [2]. Solange es um Patienten ohne Infektionskrankheiten (z. B. nur mit Schlafstörungen) geht, halten wir die Schutzstufe 1 für angemessen. Eine Entscheidungshilfe, nicht zuletzt für die Aufbereitung von Kopfkissen und Bettdecken, stellt die AWMF-Leitlinie zur hygienischen Aufbereitung von Patientenbetten dar [3].
Eine thermische Desinfektion bedeutet bei 90 °C eine Haltezeit von 10 min bzw. 85 °C und 15 min bei Flottenverhältnissen von 1:4 bis 1:5. Diese Desinfektionsbedingungen werden allerdings selten in Haushaltswaschmaschinen eingehalten. Es gibt gewerbliche Waschmaschinen ab ca. 5 kg Nennfüllmenge, die für solche Verfahren, aber auch für chemo-thermisch desinfizierende Waschverfahren geeignet sind.
Die desinfizierende Wirksamkeit des Waschverfahrens muss regelmäßig nach den aktuellen Empfehlungen des RKI (mindestens einmal jährlich) bzw. ggf. nach den Vorgaben des eingeführten Qualitätsmanagementsystems mittels Bioindikatoren und direkter Untersuchung der behandelten Wäsche (z. B. Rodac-Platten) geprüft werden.

Literatur
1. Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene. Kleidung und Schutzausrüstung für Pflegeberufe aus hygienischer Sicht (Aktualisierte Fassung). HygMed 2016; 41(7/8):186-192.
2. Technische Regeln für Biologische Arbeitsstoffe. Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege TRBA 250. Ausgabe März 2014, GMBl 2014; Nr. 10/11 vom 27.03.2014 mit fortlaufenden Änderungen.
3. Arbeitskreis Krankenhaus- und Praxishygiene der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF): Hygienische Aufbereitung von Patienten betten. HygMed 2010; 35:268. Download unter: http://www.hygiene-klinik-praxis.de/ll_029.htm (Reg. Nr. 029/023)
Prof. Dr. Peter Heeg, Ammerbuch
Prof. Dr. Lutz Vossebein, Mönchengladbach
HygMed 2011; (36) 9: 351-52.

Diese Frage wurde im Konsens mit der Desinfektionsmittel-Kommission im VAH beantwortet und zuletzt mit Stand 2/2019 aktualisiert.

Keimbelastung von Waschmaschinen und Waschgut

Frage: Gibt es Vorschriften zu Nachweisverfahren bezüglich der Keimbelastung von Waschmaschine/ Waschgut?

Antwort: Konkrete Vorschriften im Sinne rechtlicher Vorgaben zu den in der Frage erwähnten Nachweisverfahren existieren nicht. Allerdings gilt es Infektionen zu vermeiden bzw. das Infektionsrisiko auf ein akzeptables Maß zu senken.
Um dies zu erreichen, sollte daher der aktuelle Stand der Technik berücksichtigt werden, der zum Beispiel in den Richtlinien des RKI (Robert Koch-Institut), den Methoden des VAH (Verbund für Angewandte Hygiene) und in nationalen und internationalen Normen beschrieben wird.
Für die Wäscheaufbereitung sollte ein Qualitätsmanagementsystem eingeführt werden, so dass die erforderliche hygienische bzw. mikrobiologische Qualität der Textilien gelenkt und dauerhaft erreicht werden kann. Ein mögliches Vorgehen zur Durchführung einer Risikoanalyse in Wäschereien wird in der EN 14065 beschrieben [1].
Die chemothermische Aufbereitung von Textilien, die eine definierte mikrobiologische Qualität aufweisen müssen, ist im Privathaushalt mit konventionellen Haushaltswaschmaschinen in der Regel nicht möglich, da aufgrund zu großer Schwankungen im Temperaturprofil (Exaktheit und Haltezeit), der Verschmutzungen, der Maschinenbeladungen, des Flottenverhältnisses (Anteil der Textilmenge zur Flüssigkeitsmenge), der Wasch- und ggf. Desinfektionsmitteldosierungen u.v.m. die Sicherheit, reproduzierbare Ergebnisse zu erzielen, gefährdet ist. Waschmaschinen müssen außerdem bestimmte Anforderungen erfüllen, damit sichergestellt werden kann, dass die in der Liste des RKI und des VAH angegebenen Verfahrensbedingungen eingehalten werden und die desinfizierende Wirkung der Waschverfahren erreicht wird [2, 3].
Der Wirksamkeitsnachweis des angewendeten Desinfektionsverfahrens erfolgt mit den üblichen mikrobiologischen Nachweisverfahren und Testmethoden [3, 4].
Um eine Aussage zur chemothermischen Desinfektionswirkung bei der Wäscheaufbereitung treffen zu können, werden in der Praxis überwiegend
1. Bioindikatoren eingesetzt,
2. mikrobiologische Wasseranalysen (z.B. des letzten Spülbades) durchgeführt und
3. das RODAC-Verfahren angewendet.

Zu 1:
Geeignete Bioindikatoren sind Baumwollläppchen, die mit einer ausreichenden Menge von Mikroorganismen und Blut kontaminiert und anschließend getrocknet werden (Einzelheiten zur Herstellung und Verwendung der Bioindikatoren sind in den Richtlinien des RKI und den Methoden des VAH beschrieben). Nach dem Einsatz der Bioindikatoren in der Waschmaschine wird kontrolliert, wie hoch die Reduktionsrate ist. Von einer erfolgreichen Desinfektion kann ausgegangen werden, wenn der Reduktionsfaktor größer als 7 log-Stufen ist. Der Einsatz von Bioindikatoren, die in eine semipermeable Membran eingeschlossen sind, ist kritisch zu hinterfragen, da innerhalb des Biomonitorkompartimentes in Abhängigkeit von der Zeit andere Bedingungen herrschen als außerhalb [5].

Zu 2:
Das Wasser, welches zum Waschen verwendet wird (mit Ausnahme von Wasser zum Einweichen bzw. zum Vorwaschen von Textilien), muss der Trinkwasserverordnung entsprechen. Gängige Wasserproben zur mikrobiologischen Analyse sind Weichwasser (nach der Enthärtungsanlage) oder die letzten Spülbäder. Auf eine geeignete Probennahmemöglichkeit und fachmännische Entnahmen des Wassers ist zu achten.

Zu 3:
Das RODAC-Verfahren (Replicate Organism Detection And Counting, synonym zum Abklatschverfahren) ist trotz möglicher Ergebnisschwankungen ein geeignetes Verfahren, um eine Abschätzung der Anzahl von Mikroorganismen auf Oberflächen vorzunehmen. Gemäß den Richtlinien des RKI dürfen nach der Probennahme von trockener Wäsche, die für den Gebrauch keimarm zur Anwendung kommen soll, auf Nährboden nach entsprechender Bebrütung in neun von zehn Proben nicht mehr als zwei Kolonien je 10 cm2 nachgewiesen werden (bei gleichzeitiger Abwesenheit humanpathogener Mikroorgansimen) [4]. (Bei Arbeitsbekleidung für den Lebensmittelbereich dürfen gemäß der DIN 10524 nicht mehr als fünf Kolonien je 10 cm2 auf den Nährböden wachsen (bei gleichzeitiger Abwesenheit humanpathogener Mikroorgansimen)) [6]).
Das Verfahren mit der größten Aussagekraft ist der Einsatz von Bioindikatoren in Form kontaminierter Baumwollläppchen. Die Untersuchung von Weichwasser und letztem Spülwassern sowie die Verwendung von RODAC-Platten sind eher ergänzende bzw. im Fall des Abklatschverfahrens orientierende Untersuchungen. Sofern auf den Läppchen eine ausreichende Reduktion der Testorganismen nachgewiesen wurde und keine sekundären Kontaminanten festgestellt wurden, sind die weiteren Untersuchungen nicht zwingend erforderlich.

Literatur
1. EN 14065:2016. Textilien – In Wäschereien aufbereitete Textilien – Kontrollsystem Biokontamination.
2. Liste der vom Robert Koch-Institut geprüften und anerkannten Desinfektionsmittel und –verfahren Stand: 31. Oktober 2017 (17. Ausgabe).
3. Desinfektionsmittel-Kommission im VAH. Liste der Desinfektionsmittel-Kommission im Verbund für Angewandte Hygiene (VAH) e. V. Anwendungshinweise zur Wäschedesinfektion. (online sowie als Broschüre; Wiesbaden: mhp Verlag; 2018.)
4. Richtlinie für die Krankenhaushygiene und Infektionsprävention Robert-Koch-Institut, Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (Hrsg.). Ziffer 4.4.3, Krankenhauswäsche, - Wäscherei. Stuttgart: Gustav-Fischer-Verlag; 1996.
5. Kagemann G, Hilgenberg B, Rech J, Heintz M and Vossebein L. Use of Biomonitors for the Validation of Chemo-thermal Disinfecting Washing Procedures. Tenside Surf Det 2008;6(45):334-339
6. DIN 10524. Lebensmittelhygiene - Arbeitsbekleidung in Lebensmittelbetrieben. Beuth-Verlag, Berlin, DIN 10524:2018.

Prof. Dr. Peter Heeg, Ammerbuch
Prof. Dr. Lutz Vossebein, Mönchen-Gladbach
PD Dr. med. Constanze Wendt, Heidelberg
Erstveröffentlichung: HygMed 2006; (31)7/8:345.
Aktualisiert: 24. Juni 2011, HygMed 2011; (36)7/8:309.

Zuletzt aktualisiert: Februar 2019

Wäsche für Frühgeborene auf der Neonatologie

Frage: Immer wieder werde ich gefragt, ob die Frühgeborenen auf der Neonatologie eigene Wäsche von zu Hause anziehen dürfen. Aber gerade bei einem Erregernachweis (ESBL etc.) ist dieser Wunsch als kritisch anzusehen, oder? Auch wenn ich Eltern darauf hinweise, die Wäsche bei über 60 °C zu waschen, habe ich ja keine Kontrolle. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Antwort: In den Empfehlungen der KRINKO zur Infektionsprävention bei neonatologischen Intensivpatienten heißt es, dass die Wäsche für die Neugeborenen „zumindest keimarme, frisch gewaschene, nicht offen gelagerte Krankenhauswäsche“ sein sollte.
Krankenhauswäsche wird generell einem zertifizierten (VAH-gelisteten), desinfizierenden, in der Regel chemisch-thermischen Waschverfahren bei mindestens 60 °C unterzogen. Diese Bedingungen sind bei der häuslichen Wäsche nicht gegeben. Zum einen werden  keine desinfizierenden Waschmittel verwendet, zum Anderen wird die eingestellte Temperatur bei „60 °C-Wäsche“ häufig nicht erreicht bzw. über einen längeren Zeitraum gehalten. Hinzu kommt. dass die meisten Krankheitserreger bei einer Temperatur von 60 °C nicht abgetötet werden. Der Waschprozess in der häuslichen Waschmaschine bewirkt also allenfalls eine mechanische Reduktion von Mikroorganismen, die letztlich das Erfordernis der „Keimarmut“ nicht erfüllt. Hinzu kommt das Kontaminationsrisiko bei der Entnahme der Wäsche aus der Maschine und beim Transport ins Krankenhaus.
Zusammenfassend muss die Empfehlung also lauten, für Frühgeborene keine zuhause aufbereitete Wäsche zu verwenden. In manchen Kliniken besteht die Möglichkeit, private Wäsche dort mit einem desinfizierenden Waschverfahren aufzubereiten. Sofern ein solches Verfahren mikrobiologisch hinsichtlich seiner Wirksamkeit überprüft ist, wäre gegen dieses Vorgehen nichts einzuwenden.

Literatur
Mitteilung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention beim Robert Koch-Institut. Empfehlungen zur Prävention nosokomialer Infektionen bei neonatologischen Intensivpflegepatienten mit einem Geburtsgewicht unter 1500 g. Bundesgesundheitsbl Gesundheitsforsch Gesundheitsschutz 2007; 50:1265–1303.
Siehe auch: Ergänzende Empfehlung (2011) in EpidBull 2012, Nr. 2

Prof. Dr. Peter Heeg, Ammerbuch
Prof. Dr. Lutz Vossebein, Mönchengladbach
HygMed 2013; (38) 11:483

Zuletzt aktualisiert: Februar 2019

Waschen von DRK-Einsatzbekleidung

Frage: Da unsere Dienstwäsche (DRK-Einsatzbekleidung etc.) durch unser Personal selbst auf der Rettungswache gewaschen wird, sehen wir uns verpflichtet eine Industriewaschmaschine bereitzustellen. Welche Vorgaben hinsichtlich Desinfektion und technische Voraussetzungen muss eine solche Maschine erfüllen?

Antwort: Um eine sichere Desinfektion gewährleisten zu können, muss die Waschmaschine sämtliche relevanten Parameter des Desinfektionsverfahrens einstellen und nachweislich erfüllen können.
Dazu gehören vor allem:
1. Temperatur und Haltezeit;
2. Flottenverhältnis (Verhältnis der Menge an trockenen Textilien in Kilogramm zur Wasser- (Flotten-) Menge in Liter). Achtung: Nicht der Gesamtwasserverbrauch ist gefragt, sondern die Wassermenge im entsprechenden Desinfektionsschritt;
3. Dosierung des Desinfektionsmittelwirkstoffs: Für die exakte Dosierung (z. B. 5 Gramm pro Liter Flotte) muss die Wassermenge im entsprechenden Desinfektionsbad ebenfalls bekannt sein;
4. Kontrolle und Dokumentation: Wenn die Maschine aufgestellt und angeschlossen ist (sowie mindestens einmal pro Jahr), sollten die verwendeten Verfahren validiert werden; sprechen Sie ggf. mit Ihrem Maschinen- oder Waschmittellieferanten.
 
Der Temperaturnachweis erfolgt üblicherweise über den Einsatz von Temperaturloggern.
Die Wassermenge (für Dosierung und Flottenverhältnis) kann bspw. über eine vorgeschaltete Wasseruhr in den entsprechenden Einzelbädern abgelesen werden.
Außerdem wird empfohlen, mindestens einmal pro Jahr einen Biomonitor einzusetzen, der die Anforderungen des RKI und VAH erfüllt (Biomonitore die in einer semipermeablen Membran eingeschlossen sind, erfüllen diese Anforderungen nicht).
Es sollte beachtet werden, dass bspw. in der Liste des VAH viele verschiedene Desinfektionswaschverfahren mit unterschiedlichen Temperaturen und Haltezeiten etc. aufgeführt sind. Die Waschmaschine sollte diese Verfahren abbilden können.

Prof. Dr. Peter Heeg, Ammerbuch
Prof. Dr. Lutz Vossebein, Mönchengladbach
HygMed 2011; (36) 7/8: 310

Zuletzt aktualisiert: Februar 2019

Bettwäsche in der Kindertagesstätte richtig aufbereiten

Frage: Zur Reinigung unserer Decken- und Kissenbezüge verwenden wir speziellen flüssigen antibakteriell wirksamen Hygiene-Wäschespüler. Ist diese Vorgehensweise für eine Kindertagesstätte aus hygienischer Sicht ausreichend?


Antwort: Um eine definierte oder gezielte, routinemäßige Desinfektion bei der Wäscheaufbereitung zu erreichen, gibt es Verfahren, die in der Liste des VAH (Verbund für Angewandte Hygiene) aufgeführt sind. Bei der Anwendung der Verfahren muss hinsichtlich der Wirksamkeit sichergestellt sein, dass die relevanten Parameter (insbesondere Temperatur, Temperatur-Haltezeit, Wirkstoffkonzentration und das Flottenverhältnis) eingehalten werden.

Wenn eine desinfizierende Wäscheaufbereitung nicht notwendig ist, ist die Anwendung von Verfahren ab 60 °C unter Verwendung eines pulverförmigen Vollwaschmittels in der Regel ausreichend.

Die Notwendigkeit des Einsatzes von Hygienespülern ist bisher nicht belegt. Wenn eine desinfizierende Aufbereitung gewünscht wird oder durchgeführt werden muss, kann diese nicht durch die Verwendung von Hygienespülern erreicht werden.

Literaturhinweis
Beispielsweise der Hygieneleitfaden für Kindertagesstätten, Baden-Württemberg, enthält weitere Erläuterungen, in welchen Fällen eine desinfizierende Aufbereitung der Bettwäsche in Kitas notwendig ist und wie häufig sie gewaschen werden soll (Kapitel 2.5). Zum Download des Leitfadens.

Prof. Dr. Lutz Vossebein, Mönchen-Gladbach
Zuletzt aktualisiert: März 2019


Literaturhinweise.

Aus der Fachliteratur:
Hygienewissen qualitätsgesichert und transpararent – eine Herausforderung für alle! (2016)

Welche viruswirksamen Desinfektionsmittel sollten in Gesundheitseinrichtungen eingesetzt werden und in welcher Liste finde ich das passende Desinfektionsmittel? (2015)

Leitlinien in Zusammenarbeit mit VAH
Leitlinie zur Validierung der manuellen Reinigung und manuellen chemischen Desinfektion von Medizinprodukten (2013)

Empfehlungen in Zusammenarbeit mit VAH
Empfehlung zur Überwachung der Wäschedesinfektion mittels Keimträgern (Biomonitore, Bioindikatoren) (2015)

Gemeinsame Mitteilung des Fachausschusses Virusdesinfektion der DVV und der Desinfektionsmittel-Kommission im VAH (Praxisnahe Prüfung Viruzidie) (2013)

Empfehlung zur Kontrolle kritischer Punkte bei der Anwendung von Tuchspendersystemen im Vortränksystem für die Flächendesinfektion (2012)

Stellungnahmen in Zusammenarbeit mit VAH
Stellungnahme des Arbeitskreises Viruzidie beim Robert Koch-Institut. Prüfung und Deklaration der Wirksamkeit von Desinfektionsmitteln gegen Viren zur Anwendung im humanmedizinischen Bereich erschienen (Schwebke, I., Eggers, M., Gebel, J. et al., Bundesgesundheitsbl 2017;60:353-363) (2017)

Gemeinsame Stellungnahme des VAH und des IHO: Zur Bedeutung von Desinfektionsmitteln im Zeitalter der zunehmenden Antibiotika-Resistenz und der globalen Ausbreitung gefährlicher Viruserkrankungen (2016)

Häufig nachgefragt:
VAH-Testmethode zur Prüfung der Wirksamkeit gegenüber C. difficile veröffentlicht
(in HygMed 10/2016)
(2016)

Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen in Sanitäranlagen von Erstaufnahmeeinrichtungen und Gemeinschaftsunterkünften für Flüchtlinge (2016)

Zur Äquivalenz der Desinfektionsmittel-Testung gemäß VAH-Methoden und der Testung gemäß den aktuellen europäischen Normen (2016)

Zur Frage der Pilzwirksamkeit von Desinfektionsmitteln (2012)

Zur Wirksamkeit von Desinfektionsmitteln gegenüber MRSA (2011)