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Wissenschaft & Praxis.

Anwenderhinweise.

Für die sachgerechte Anwendung von Desinfektionsmitteln sind neben der Auswahl des für den jeweiligen Zweck geeigneten Desinfektionsprodukts auch die richtige Umsetzung des Anwendungsverfahrens und die Überprüfung der Desinfektionswirkung ausschlaggebend.

Die Desinfektionsmittel-Kommission im VAH beantwortet Fragen zur Desinfektion und veröffentlicht diese in der Zeitschrift „Hygiene & Medizin“ und unter „FAQ Anwenderhinweise“ auf dieser Webseite.

Die Arbeitsgruppe „Angewandte Desinfektion“ der Desinfektionsmittel-Kommission veröffentlicht ebenfalls Anwenderhinweise. Sie finden Sie unter Fachartikel bzw. im Publikationsverzeichnis.

Folgende praxisbezogene und wissenschaftlich fundierte Empfehlungen sowie behördlich relevante Vorgaben sollten bei der Anwendung von Desinfektionsmitteln Beachtung finden (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):


Wir haben an dieser Stelle (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) einige Rahmenhygienepläne des Länderarbeitskreises zum Download als PDF zur Verfügung gestellt:

FAQ zur Anwendung.

Die Desinfektionsmittel-Kommission erhält Fragen aus einer Vielzahl von Berufszweigen, die die Vielfalt des Themengebiets der Hygiene insgesamt widerspiegeln. Die Beantwortung dieser Fragen stellt daher eine besondere Herausforderung dar, der sich der VAH stellen und auf diesem Weg den fachlich fundierten Dialog mit dem Anwender fördern und ausbauen will.
Die Fragen und Antworten werden von Herrn Prof. Dr. Heeg, Mitglied der Desinfektionsmittel-Kommission im VAH, und einem weiteren Experten beantwortet bzw. begutachtet. Die Antworten geben die Expertenmeinung der Autoren, jedoch nicht notwendigerweise den Konsens der Kommission wieder.
Anfragen von grundsätzlicher Bedeutung werden an die Kommission weitergeleitet, dort diskutiert und als Votum der Kommission verabschiedet.
Diese Antworten sind durch einen entsprechenden Hinweis auf eine Konsensentscheidung kenntlich gemacht.
Die Zusammenstellung der Fragen und Antworten des VAH wird derzeit aktualisiert. 
Weitere Mitteilungen des VAH finden Sie unter VAH-Mitteilungen.
(Kontakt: carola.ilschner@ukb.uni-bonn.de)

FAQ Anwenderhinweise.

Die Desinfektionsmittel-Kommission im VAH beantwortet Fragen zur Desinfektion und veröffentlicht diese in der Zeitschrift "Hygiene & Medizin“ und unter „FAQ Anwenderhinweise“ auf dieser Webseite. Die bisher erschienenen Fragen werden derzeit überarbeitet. Sie finden hier nur die aktualisierten Beiträge.

Händedesinfektion

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Verwendung von Desinfektionsmitteln für Kinder

Frage: In Ausbruchssituationen werden manchmal vom Gesundheitsamt vorsorglich Maßnahmen zur Desinfektion eingeleitet. Im Einzelnen waren dies nach einer HUS-Erkrankung in einer Schule beispielsweise:
– Desinfektion der Schultoiletten,
– Desinfektion sämtlicher Türgriffe der Grundschule,
– Installation von Desinfektionsmittelspendern auf den Toiletten.

Welche Händedesinfektionsmittel sind für:
a) Kinder unter drei Jahren
b) Kinder zwischen drei und sechs Jahren
c) Schulkinder ab sechs Jahren als Hortkinder
von Seiten der zuständigen Stellen zugelassen?

Wir haben an unserer Kindertagesstätte Kinder, die unter den obigen Buchstaben a, b und c fallen. In unserem Hause wird ein viruzides Händedesinfektionsmittel für das Personal eingesetzt. Ist eine Zulassung für Kinder notwendig?


Antwort: Sowohl bei der allgemeinen Infektionsprophylaxe, wie sie Bestandteil unseres persönlichen Hygieneverhaltens sein sollte, als auch in Ausbruchssituationen oder Epidemiezeiten, spielt die Händehygiene unter allen Präventionsmaßnahmen die wichtigste Rolle, weil Infektionen vor allem über die Hände weitergegeben werden. Dies gilt in gewissem Maße auch für Infektionen, bei denen die Krankheitserreger über kleine Tröpfchen in der Luft übertragen werden, die beim Sprechen, Husten oder Niesen gebildet werden (Tröpfcheninfektion): Nicht nur, wenn man in die Hand niest oder schnäuzt, sondern auch, wenn man Gegenstände berührt, die durch Tröpfchen kontaminiert wurden, können über die Hände Krankheitserreger weitergegeben werden.

Als Maßnahmen zur Händehygiene kommt in Kindertagesstätten oder Schulen vor allem das Hände-waschen in Betracht. In bestimmten Situationen ist aber auch die Händedesinfektion sinnvoll. Richtig durchgeführtes Händewaschen reduziert die Zahl von Mikroorganismen und Viren auf den Händen. Die Wirkung der Händedesinfektion ist jedoch 10- bis 100-mal stärker.

Für die Händehygiene gilt nicht nur in Kindertagesstätten der alte Satz: „Nach dem Klo und vor dem Essen, Händewaschen nicht vergessen.“ Richtiges Händewaschen – mit fließendem, warmem Wasser, Flüssigseife und eigenem Handtuch – muss aber gelernt und geübt werden. Wie dies in spielerischer Form geschehen kann, vermitteln einschlägige Broschüren [1, 2].
In Ausbruchssituationen oder wenn Kinder immer wieder an saisonalen Infektionen (Grippe bzw. grippale Infekte, Durchfallerkrankungen z. B. durch Noroviren) erkranken, sollte das Händewaschen ggf. durch Händedesinfektion ergänzt werden (auf Anweisung durch das Gesundheitsamt). Nach dem Händewaschen und abtrocknen, ggf. auch nach dem Niesen oder Schnäuzen, werden die Hände durch Verreiben eines alkoholischen Händedesinfektionsmittels desinfiziert.
Die arzneimittelrechtliche Zulassung von Händedesinfektionsmitteln erfolgt in der Regel für Erwachsene. Es gibt also keine speziell für Kinder zugelassenen Händedesinfektionsmittel für Kinder. Dies bedeutet aber nicht, dass Kinder ihre Hände nicht desinfizieren dürfen oder sollen. Schulkinder können Hände desinfizieren erlernen [3], sollten die Händedesinfektion zunächst aber unter Aufsicht durchführen. Wichtig ist, dass sich die Kinder nicht mit frisch benetzten Fingern in die Augen fassen.

Bei kleineren Kindern ist es besser, wenn die Hände durch einen Erwachsenen desinfiziert werden, indem dieser die Hände des Kindes zwischen seine eigenen Hände nimmt, das Präparat verreibt und die Einwirkzeit (in der Regel 30 Sekunden) abwartet.

Alkoholische Desinfektionsmittel enthalten Pflegesubstanzen und sind für die intakte Haut unschädlich. Alkohol wird auch nicht über die Haut resorbiert, so dass systemische Wirkungen des Alkohols nicht zu befürchten sind.
Zur Auswahl des geeigneten Präparates wird die Verwendung eines Händedesinfektionsmittels empfohlen, das in der aktuellen Liste des VAH [4] aufgeführt ist. Auf das notwendige Wirkspektrum in Abhängigkeit von den Krankheitserregern ist zu achten. Standardpräparate der Händedesinfektionsmittel sind in der Regel zusätzlich zur Wirksamkeit gegen Bakterien auch begrenzt viruzid wirksam, das heißt, sie wirken auch gegen behüllte Viren, wie z.B. das Respiratorische Syncytial-Virus (RSV), das insbesondere im Säuglings- und Kleinkindalter häufig Atemwegsinfektionen auslöst, oder das Influenza (Grippe)-Virus. Händedesinfektionsmittel mit dem Wirkspektrum begrenzt viruzid PLUS sind zusätzlich zur Wirksamkeit gegen behüllte Viren auch gegen die unbehüllten Viren Noro-, Rota- und Adenovirus wirksam. Daher können sie insbesondere bei erhöhter Noro- und Rotavirusaktivität, z.B. im Frühjahr, eingesetzt werden. Noroviren sind häufig Auslöser von Magen-Darm-Infektionen.

Viruzide Händedesinfektionsmittel, deren Wirkspektrum zusätzlich die unbehüllten Papillom- und Polyomaviren einschließt, können eher einmal zu Nebeneffekten wie trockener Haut führen und sind für die Routine nicht notwendig.

Literatur
1. Gebel J, Dietlein E, Hornei B, Ilschner C, Rotter M, Exner M. Händewaschen – bringt das was? mhp-Verlag, Wiesbaden. 2003.
2. Gebel J, Ilschner C. Die Bakterienrutsche. mhp-Verlag, Wiesbaden. 2003.
3. Simon A, Gebel J, Ilschner C, Exner M. Infektionen? Nein, danke! Wir tun was dagegen! Infektionsprävention bei chronisch kranken Kindern im Krankenhaus. 3. Auflage. Bonn, 2017.  Zum Download.
4. Verbund für Angewandte Hygiene. Desinfektionsmittel-Liste des VAH. Wiesbaden: mhp Verlag GmbH. Stand 15.10.2018. Zur Online-Version.

Dr. Johannes Tatzel, Heidenheim
Prof. Dr. Peter Heeg, Ammerbuch
Erstveröffentlichung: Heeg P, Exner M. In: HygMed 2011; (36) 12: 501–502.
Überarbeitung mit Stand 15. März 2019
Online-Veröffentlichung: www.vah-online.de

© VAH e.V. 2019
www.vah-online.de
www.hygiene-tipps-fuer-kids.de


Wäsche

Aufbereitung von Berufskleidung und Bettwäsche in der Arztpraxis

Frage: Wir sind eine Arztpraxis und haben ein Schlaflabor. Müssen die Bettwäsche und die Berufskleidung mit Desinfektionswaschmittel gewaschen werden oder reicht es aus, die Wäsche mit 60 °C bzw. 90 °C zu waschen? Handelt es sich um eine Empfehlung oder eine Vorschrift?


Antwort: Im Gegensatz zum gut regulierten Bereich der Wäscheaufbereitung für Krankenhäuser herrscht über die Wäscheaufbereitung in der Arztpraxis kein Konsens.
Gemäß IfSG § 36 müssen auch in ambulanten Einrichtungen des Gesundheitsdienstes (u. a. Arztpraxen) Infektionsschutzmaßnahmen durchgeführt werden und sämtliche hygienerelevanten Prozessschritte innerhalb der Praxis durch Hygienepläne geregelt werden.
Der Einsatz und die Aufbereitung von Arbeits- und Schutzkleidung ist aus Sicht des Schutzes der Beschäftigten und aus Sicht des Infektionsschutzes für Mitarbeiter und Patienten ein nicht zu vernachlässigendes Thema. Wissenschaftliche Studien belegen, dass Textilien als ernst zu nehmender Vektor für Infektionserreger gesehen werden müssen. Deshalb sollte die Verwendung und Aufbereitung von Arbeits- und Schutzkleidung sowie ggf. die Bettwäsche im Hygienemanagement einer Arztpraxis (Hygieneplan) geregelt werden.
In den existierenden Regelwerken werden keine Pauschalkategorisierungen vorgenommen, so dass häufig unklar ist, ob und wann Textilien bzw. Arbeits- und Berufskleidung Schutzfunktion haben und/oder mit spezialisierten Verfahren desinfizierend aufbereitet werden müssen. Für den Nicht-Hygieniker ist daher nur schwer zu erkennen, ob Textilien aus der Arztpraxis wie Krankenhauswäsche zu behandeln sind.
Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene [1] hat empfohlen, Arbeitskleidung von Personen aus Pflegeberufen nicht im häuslichen Bereich zu waschen, sondern mit Verfahren, die beim VAH oder RKI als wirksam befunden wurden. Dabei gilt es, die verfahrensspezifischen Dosierungen, Temperaturen, Haltezeiten und Flottenverhältnisse einzuhalten und zu prüfen, ob diese Bedingungen permanent gewährleistet sind.
Wir empfehlen, eine Risikoanalyse bzw. Gefährdungsbeurteilung durchzuführen und diese zu dokumentieren. Für Arztpraxen ist generell die TRBA 250 anzuwenden [2]. Solange es um Patienten ohne Infektionskrankheiten (z. B. nur mit Schlafstörungen) geht, halten wir die Schutzstufe 1 für angemessen. Eine Entscheidungshilfe, nicht zuletzt für die Aufbereitung von Kopfkissen und Bettdecken, stellt die AWMF-Leitlinie zur hygienischen Aufbereitung von Patientenbetten dar [3].
Eine thermische Desinfektion bedeutet bei 90 °C eine Haltezeit von 10 min bzw. 85 °C und 15 min bei Flottenverhältnissen von 1:4 bis 1:5. Diese Desinfektionsbedingungen werden allerdings selten in Haushaltswaschmaschinen eingehalten. Es gibt gewerbliche Waschmaschinen ab ca. 5 kg Nennfüllmenge, die für solche Verfahren, aber auch für chemo-thermisch desinfizierende Waschverfahren geeignet sind.
Die desinfizierende Wirksamkeit des Waschverfahrens muss regelmäßig nach den aktuellen Empfehlungen des RKI (mindestens einmal jährlich) bzw. ggf. nach den Vorgaben des eingeführten Qualitätsmanagementsystems mittels Bioindikatoren und direkter Untersuchung der behandelten Wäsche (z. B. Rodac-Platten) geprüft werden.

Literatur
1. Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene. Kleidung und Schutzausrüstung für Pflegeberufe aus hygienischer Sicht (Aktualisierte Fassung). HygMed 2016; 41(7/8):186-192.
2. Technische Regeln für Biologische Arbeitsstoffe. Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen und in der Wohlfahrtspflege TRBA 250. Ausgabe März 2014, GMBl 2014; Nr. 10/11 vom 27.03.2014 mit fortlaufenden Änderungen.
3. Arbeitskreis Krankenhaus- und Praxishygiene der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF): Hygienische Aufbereitung von Patienten betten. HygMed 2010; 35:268. Download unter: http://www.hygiene-klinik-praxis.de/ll_029.htm (Reg. Nr. 029/023)
Prof. Dr. Peter Heeg, Ammerbuch
Prof. Dr. Lutz Vossebein, Mönchengladbach
HygMed 2011; (36) 9: 351-52.

Diese Frage wurde im Konsens mit der Desinfektionsmittel-Kommission im VAH beantwortet und zuletzt mit Stand 2/2019 aktualisiert.

Keimbelastung von Waschmaschinen und Waschgut

Frage: Gibt es Vorschriften zu Nachweisverfahren bezüglich der Keimbelastung von Waschmaschine/ Waschgut?

Antwort: Konkrete Vorschriften im Sinne rechtlicher Vorgaben zu den in der Frage erwähnten Nachweisverfahren existieren nicht. Allerdings gilt es Infektionen zu vermeiden bzw. das Infektionsrisiko auf ein akzeptables Maß zu senken.
Um dies zu erreichen, sollte daher der aktuelle Stand der Technik berücksichtigt werden, der zum Beispiel in den Richtlinien des RKI (Robert Koch-Institut), den Methoden des VAH (Verbund für Angewandte Hygiene) und in nationalen und internationalen Normen beschrieben wird.
Für die Wäscheaufbereitung sollte ein Qualitätsmanagementsystem eingeführt werden, so dass die erforderliche hygienische bzw. mikrobiologische Qualität der Textilien gelenkt und dauerhaft erreicht werden kann. Ein mögliches Vorgehen zur Durchführung einer Risikoanalyse in Wäschereien wird in der EN 14065 beschrieben [1].
Die chemothermische Aufbereitung von Textilien, die eine definierte mikrobiologische Qualität aufweisen müssen, ist im Privathaushalt mit konventionellen Haushaltswaschmaschinen in der Regel nicht möglich, da aufgrund zu großer Schwankungen im Temperaturprofil (Exaktheit und Haltezeit), der Verschmutzungen, der Maschinenbeladungen, des Flottenverhältnisses (Anteil der Textilmenge zur Flüssigkeitsmenge), der Wasch- und ggf. Desinfektionsmitteldosierungen u.v.m. die Sicherheit, reproduzierbare Ergebnisse zu erzielen, gefährdet ist. Waschmaschinen müssen außerdem bestimmte Anforderungen erfüllen, damit sichergestellt werden kann, dass die in der Liste des RKI und des VAH angegebenen Verfahrensbedingungen eingehalten werden und die desinfizierende Wirkung der Waschverfahren erreicht wird [2, 3].
Der Wirksamkeitsnachweis des angewendeten Desinfektionsverfahrens erfolgt mit den üblichen mikrobiologischen Nachweisverfahren und Testmethoden [3, 4].
Um eine Aussage zur chemothermischen Desinfektionswirkung bei der Wäscheaufbereitung treffen zu können, werden in der Praxis überwiegend
1. Bioindikatoren eingesetzt,
2. mikrobiologische Wasseranalysen (z.B. des letzten Spülbades) durchgeführt und
3. das RODAC-Verfahren angewendet.

Zu 1:
Geeignete Bioindikatoren sind Baumwollläppchen, die mit einer ausreichenden Menge von Mikroorganismen und Blut kontaminiert und anschließend getrocknet werden (Einzelheiten zur Herstellung und Verwendung der Bioindikatoren sind in den Richtlinien des RKI und den Methoden des VAH beschrieben). Nach dem Einsatz der Bioindikatoren in der Waschmaschine wird kontrolliert, wie hoch die Reduktionsrate ist. Von einer erfolgreichen Desinfektion kann ausgegangen werden, wenn der Reduktionsfaktor größer als 7 log-Stufen ist. Der Einsatz von Bioindikatoren, die in eine semipermeable Membran eingeschlossen sind, ist kritisch zu hinterfragen, da innerhalb des Biomonitorkompartimentes in Abhängigkeit von der Zeit andere Bedingungen herrschen als außerhalb [5].

Zu 2:
Das Wasser, welches zum Waschen verwendet wird (mit Ausnahme von Wasser zum Einweichen bzw. zum Vorwaschen von Textilien), muss der Trinkwasserverordnung entsprechen. Gängige Wasserproben zur mikrobiologischen Analyse sind Weichwasser (nach der Enthärtungsanlage) oder die letzten Spülbäder. Auf eine geeignete Probennahmemöglichkeit und fachmännische Entnahmen des Wassers ist zu achten.

Zu 3:
Das RODAC-Verfahren (Replicate Organism Detection And Counting, synonym zum Abklatschverfahren) ist trotz möglicher Ergebnisschwankungen ein geeignetes Verfahren, um eine Abschätzung der Anzahl von Mikroorganismen auf Oberflächen vorzunehmen. Gemäß den Richtlinien des RKI dürfen nach der Probennahme von trockener Wäsche, die für den Gebrauch keimarm zur Anwendung kommen soll, auf Nährboden nach entsprechender Bebrütung in neun von zehn Proben nicht mehr als zwei Kolonien je 10 cm2 nachgewiesen werden (bei gleichzeitiger Abwesenheit humanpathogener Mikroorgansimen) [4]. (Bei Arbeitsbekleidung für den Lebensmittelbereich dürfen gemäß der DIN 10524 nicht mehr als fünf Kolonien je 10 cm2 auf den Nährböden wachsen (bei gleichzeitiger Abwesenheit humanpathogener Mikroorgansimen)) [6]).
Das Verfahren mit der größten Aussagekraft ist der Einsatz von Bioindikatoren in Form kontaminierter Baumwollläppchen. Die Untersuchung von Weichwasser und letztem Spülwassern sowie die Verwendung von RODAC-Platten sind eher ergänzende bzw. im Fall des Abklatschverfahrens orientierende Untersuchungen. Sofern auf den Läppchen eine ausreichende Reduktion der Testorganismen nachgewiesen wurde und keine sekundären Kontaminanten festgestellt wurden, sind die weiteren Untersuchungen nicht zwingend erforderlich.

Literatur
1. EN 14065:2016. Textilien – In Wäschereien aufbereitete Textilien – Kontrollsystem Biokontamination.
2. Liste der vom Robert Koch-Institut geprüften und anerkannten Desinfektionsmittel und –verfahren Stand: 31. Oktober 2017 (17. Ausgabe).
3. Desinfektionsmittel-Kommission im VAH. Liste der Desinfektionsmittel-Kommission im Verbund für Angewandte Hygiene (VAH) e. V. Anwendungshinweise zur Wäschedesinfektion. (online sowie als Broschüre; Wiesbaden: mhp Verlag; 2018.)
4. Richtlinie für die Krankenhaushygiene und Infektionsprävention Robert-Koch-Institut, Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (Hrsg.). Ziffer 4.4.3, Krankenhauswäsche, - Wäscherei. Stuttgart: Gustav-Fischer-Verlag; 1996.
5. Kagemann G, Hilgenberg B, Rech J, Heintz M and Vossebein L. Use of Biomonitors for the Validation of Chemo-thermal Disinfecting Washing Procedures. Tenside Surf Det 2008;6(45):334-339
6. DIN 10524. Lebensmittelhygiene - Arbeitsbekleidung in Lebensmittelbetrieben. Beuth-Verlag, Berlin, DIN 10524:2018.

Prof. Dr. Peter Heeg, Ammerbuch
Prof. Dr. Lutz Vossebein, Mönchen-Gladbach
PD Dr. med. Constanze Wendt, Heidelberg
Erstveröffentlichung: HygMed 2006; (31)7/8:345.
Aktualisiert: 24. Juni 2011, HygMed 2011; (36)7/8:309.

Zuletzt aktualisiert: Februar 2019

Wäsche für Frühgeborene auf der Neonatologie

Frage: Immer wieder werde ich gefragt, ob die Frühgeborenen auf der Neonatologie eigene Wäsche von zu Hause anziehen dürfen. Aber gerade bei einem Erregernachweis (ESBL etc.) ist dieser Wunsch als kritisch anzusehen, oder? Auch wenn ich Eltern darauf hinweise, die Wäsche bei über 60 °C zu waschen, habe ich ja keine Kontrolle. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Antwort: In den Empfehlungen der KRINKO zur Infektionsprävention bei neonatologischen Intensivpatienten heißt es, dass die Wäsche für die Neugeborenen „zumindest keimarme, frisch gewaschene, nicht offen gelagerte Krankenhauswäsche“ sein sollte.
Krankenhauswäsche wird generell einem zertifizierten (VAH-gelisteten), desinfizierenden, in der Regel chemisch-thermischen Waschverfahren bei mindestens 60 °C unterzogen. Diese Bedingungen sind bei der häuslichen Wäsche nicht gegeben. Zum einen werden  keine desinfizierenden Waschmittel verwendet, zum Anderen wird die eingestellte Temperatur bei „60 °C-Wäsche“ häufig nicht erreicht bzw. über einen längeren Zeitraum gehalten. Hinzu kommt. dass die meisten Krankheitserreger bei einer Temperatur von 60 °C nicht abgetötet werden. Der Waschprozess in der häuslichen Waschmaschine bewirkt also allenfalls eine mechanische Reduktion von Mikroorganismen, die letztlich das Erfordernis der „Keimarmut“ nicht erfüllt. Hinzu kommt das Kontaminationsrisiko bei der Entnahme der Wäsche aus der Maschine und beim Transport ins Krankenhaus.
Zusammenfassend muss die Empfehlung also lauten, für Frühgeborene keine zuhause aufbereitete Wäsche zu verwenden. In manchen Kliniken besteht die Möglichkeit, private Wäsche dort mit einem desinfizierenden Waschverfahren aufzubereiten. Sofern ein solches Verfahren mikrobiologisch hinsichtlich seiner Wirksamkeit überprüft ist, wäre gegen dieses Vorgehen nichts einzuwenden.

Literatur
Mitteilung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention beim Robert Koch-Institut. Empfehlungen zur Prävention nosokomialer Infektionen bei neonatologischen Intensivpflegepatienten mit einem Geburtsgewicht unter 1500 g. Bundesgesundheitsbl Gesundheitsforsch Gesundheitsschutz 2007; 50:1265–1303.
Siehe auch: Ergänzende Empfehlung (2011) in EpidBull 2012, Nr. 2

Prof. Dr. Peter Heeg, Ammerbuch
Prof. Dr. Lutz Vossebein, Mönchengladbach
HygMed 2013; (38) 11:483

Zuletzt aktualisiert: Februar 2019

Waschen von DRK-Einsatzbekleidung

Frage: Da unsere Dienstwäsche (DRK-Einsatzbekleidung etc.) durch unser Personal selbst auf der Rettungswache gewaschen wird, sehen wir uns verpflichtet eine Industriewaschmaschine bereitzustellen. Welche Vorgaben hinsichtlich Desinfektion und technische Voraussetzungen muss eine solche Maschine erfüllen?

Antwort: Um eine sichere Desinfektion gewährleisten zu können, muss die Waschmaschine sämtliche relevanten Parameter des Desinfektionsverfahrens einstellen und nachweislich erfüllen können.
Dazu gehören vor allem:
1. Temperatur und Haltezeit;
2. Flottenverhältnis (Verhältnis der Menge an trockenen Textilien in Kilogramm zur Wasser- (Flotten-) Menge in Liter). Achtung: Nicht der Gesamtwasserverbrauch ist gefragt, sondern die Wassermenge im entsprechenden Desinfektionsschritt;
3. Dosierung des Desinfektionsmittelwirkstoffs: Für die exakte Dosierung (z. B. 5 Gramm pro Liter Flotte) muss die Wassermenge im entsprechenden Desinfektionsbad ebenfalls bekannt sein;
4. Kontrolle und Dokumentation: Wenn die Maschine aufgestellt und angeschlossen ist (sowie mindestens einmal pro Jahr), sollten die verwendeten Verfahren validiert werden; sprechen Sie ggf. mit Ihrem Maschinen- oder Waschmittellieferanten.
 
Der Temperaturnachweis erfolgt üblicherweise über den Einsatz von Temperaturloggern.
Die Wassermenge (für Dosierung und Flottenverhältnis) kann bspw. über eine vorgeschaltete Wasseruhr in den entsprechenden Einzelbädern abgelesen werden.
Außerdem wird empfohlen, mindestens einmal pro Jahr einen Biomonitor einzusetzen, der die Anforderungen des RKI und VAH erfüllt (Biomonitore die in einer semipermeablen Membran eingeschlossen sind, erfüllen diese Anforderungen nicht).
Es sollte beachtet werden, dass bspw. in der Liste des VAH viele verschiedene Desinfektionswaschverfahren mit unterschiedlichen Temperaturen und Haltezeiten etc. aufgeführt sind. Die Waschmaschine sollte diese Verfahren abbilden können.

Prof. Dr. Peter Heeg, Ammerbuch
Prof. Dr. Lutz Vossebein, Mönchengladbach
HygMed 2011; (36) 7/8: 310

Zuletzt aktualisiert: Februar 2019

Bettwäsche in der Kindertagesstätte richtig aufbereiten

Frage: Zur Reinigung unserer Decken- und Kissenbezüge verwenden wir speziellen flüssigen antibakteriell wirksamen Hygiene-Wäschespüler. Ist diese Vorgehensweise für eine Kindertagesstätte aus hygienischer Sicht ausreichend?


Antwort: Um eine definierte oder gezielte, routinemäßige Desinfektion bei der Wäscheaufbereitung zu erreichen, gibt es Verfahren, die in der Liste des VAH (Verbund für Angewandte Hygiene) aufgeführt sind. Bei der Anwendung der Verfahren muss hinsichtlich der Wirksamkeit sichergestellt sein, dass die relevanten Parameter (insbesondere Temperatur, Temperatur-Haltezeit, Wirkstoffkonzentration und das Flottenverhältnis) eingehalten werden.

Wenn eine desinfizierende Wäscheaufbereitung nicht notwendig ist, ist die Anwendung von Verfahren ab 60 °C unter Verwendung eines pulverförmigen Vollwaschmittels in der Regel ausreichend.

Die Notwendigkeit des Einsatzes von Hygienespülern ist bisher nicht belegt. Wenn eine desinfizierende Aufbereitung gewünscht wird oder durchgeführt werden muss, kann diese nicht durch die Verwendung von Hygienespülern erreicht werden.

Literaturhinweis
Beispielsweise der Hygieneleitfaden für Kindertagesstätten, Baden-Württemberg, enthält weitere Erläuterungen, in welchen Fällen eine desinfizierende Aufbereitung der Bettwäsche in Kitas notwendig ist und wie häufig sie gewaschen werden soll (Kapitel 2.5). Zum Download des Leitfadens.

Prof. Dr. Lutz Vossebein, Mönchen-Gladbach
Zuletzt aktualisiert: März 2019


Literaturhinweise.

Aus der Fachliteratur:
Hygienewissen qualitätsgesichert und transpararent – eine Herausforderung für alle! (2016)

Welche viruswirksamen Desinfektionsmittel sollten in Gesundheitseinrichtungen eingesetzt werden und in welcher Liste finde ich das passende Desinfektionsmittel? (2015)

Leitlinien in Zusammenarbeit mit VAH
Leitlinie zur Validierung der manuellen Reinigung und manuellen chemischen Desinfektion von Medizinprodukten (2013)

Empfehlungen in Zusammenarbeit mit VAH
Empfehlung zur Überwachung der Wäschedesinfektion mittels Keimträgern (Biomonitore, Bioindikatoren) (2015)

Gemeinsame Mitteilung des Fachausschusses Virusdesinfektion der DVV und der Desinfektionsmittel-Kommission im VAH (Praxisnahe Prüfung Viruzidie) (2013)

Empfehlung zur Kontrolle kritischer Punkte bei der Anwendung von Tuchspendersystemen im Vortränksystem für die Flächendesinfektion (2012)

Stellungnahmen in Zusammenarbeit mit VAH
Stellungnahme des Arbeitskreises Viruzidie beim Robert Koch-Institut. Prüfung und Deklaration der Wirksamkeit von Desinfektionsmitteln gegen Viren zur Anwendung im humanmedizinischen Bereich erschienen (Schwebke, I., Eggers, M., Gebel, J. et al., Bundesgesundheitsbl 2017;60:353-363) (2017)

Gemeinsame Stellungnahme des VAH und des IHO: Zur Bedeutung von Desinfektionsmitteln im Zeitalter der zunehmenden Antibiotika-Resistenz und der globalen Ausbreitung gefährlicher Viruserkrankungen (2016)

Häufig nachgefragt:
VAH-Testmethode zur Prüfung der Wirksamkeit gegenüber C. difficile veröffentlicht
(in HygMed 10/2016)
(2016)

Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen in Sanitäranlagen von Erstaufnahmeeinrichtungen und Gemeinschaftsunterkünften für Flüchtlinge (2016)

Zur Äquivalenz der Desinfektionsmittel-Testung gemäß VAH-Methoden und der Testung gemäß den aktuellen europäischen Normen (2016)

Zur Frage der Pilzwirksamkeit von Desinfektionsmitteln (2012)

Zur Wirksamkeit von Desinfektionsmitteln gegenüber MRSA (2011)